Samstag, 25. August 2007

Auf dem Cabottrail rund um Cape Breton

Um 9 Uhr haben wir in Antigonish unser Mietauto abgeholt, einen hellgoldenen Chevrolet. Huebsches Auto, Innenausstattung allerdings billiger als gedacht. Nachdem das Wetter die letzten Tage sehr schoen war, wars natuerlich mal wieder Zeit fuer Wolken. Nach kurzem hatte es auch angefangen zu regnen, aber das schreckte uns natuerlich nicht ab. Der Canso Causeway verbindet die Insel von Cape Breton mit dem Canadischen Festland. Kurz nach dem Causeway hielten wir in Port Hawkesbury , sammelten Rebeccas Schwester Theresa ein und besorgten uns Kartenmaterial sowie etwa 100 WhaleWatching-Prospekte. Weiter ging es nach Baddeck, dort deckten wir uns in einer Art Aldi mit Getraenken sowie (wichtig!!) Keksen ein. Der Cabot Trail verlaeuft fast immer an der Kueste entlang, nur im Norden schneidet er ein Stueckchen durchs Land ab und verlaeuft durch Wald. Suedlich dieser noerdlichen Schleife liegt der 950 Quadratkilometer grosse Nationalpark. Normal faehrt man den Trail im Uhrzeigersinn, wir starteten jedoch am "Ende", da wir den nicht zu erwartenden Sonnenuntergang an der Westkueste erleben wollten.
Zunaechst hielten wir an verschiedenen kleinen Geschaeften, allesamt Handwerksbetriebe wie Leder- oder Holzverarbeitung. Es gibt immer wieder kleine Parkbuchten, sogenannte Viewpoints, Aussichtspunkte, von denen aus man einen schoenen Blick ueber Waelder, Strasse, Buchten und Ozean hat.
Weiter fuehrte uns die Strasse durch Ingonish nach Cape North, dem noerdlichsten Punkt des 300 km langen Trails.
Wir hielten an einem 24 verschiedenen Wanderwege an, welcher zu einem Wasserfall fuehrte. Es war ein sehr abenteuerlicher und vor allem schoener Weg, entlang eines Miniaturflusses, durch den Wald. Totholz oder aehnliches wird dort nicht entfernt, es aehnelt also schon sehr einem Urwald. Der Waterfall selber war klein aber fein.

Wir beschlossen trotz des Mistwetters (waehrend der Wanderung blieben wir vor Regen verschont, wahrscheinlich hatten wir das dem dichten Blaetterdach zu verdanken...) uns eine Whalewatching Station zu suchen, und entschieden uns fuer die Pleasant Bay, ganz einfach aus dem Grund weil es dort 4 Stationen gab, und weil an der Westkueste dieses Jahr angeblich viele Wale gesichtet wurden.
Da wir der Meinung waren dass Whalewatching in einem Zodiac (motorisiertes Schlachboot) am meisten Spass macht, haben wir fuer 42 Dollar eine Tour um 4 Uhr nachtmittags genommen. Wir waren die einzigen :)
Vor uns die Gruppe, war restlos begeistert, sie hatten um die 60 Wale in einer Gruppe gesehen.
Wir wurden mit wasserabweisenden und warmen Overalls ausgestattet und machten uns auf den Weg zum knallroten Gummiboot aehhh Zodiac. Unser Fuehrer war sehr nett, wusste sehr viel und hat auch jede Menge erklaert. Gleich an den Wellenbrechern des Hafens begegnete uns ein Weisskopfseeadler der auf einem Stueck Holz sass.
Weiter gings an der Steilkueste entlang Richtung offenes Meer. Es war ein Heidenspass, Wasser von oben und von unten und so ueber die Wellen huepfen, es war toll! Und dann haben wir sie gesehen: Pilotwale, eine Familie, Maennchen und Weibchen mit aelteren Kaelbern. Die Kleinen werden 3 Jahre lang gesaeugt. Die erwachsenen Tiere koennen bis 20 000 Fuss tauchen und 20 Minuten unter Wasser bleiben.
Nach und nach entdeckten wir immer mehr Tiere, einige kamen sehr sehr nahe ans Boot, man konnte die Kratzer auf dem Ruecken sehen, die Augen, das Blasloch. 2 tauchten unter dem Boot durch. Einige zeigten Fluke, sprangen oder legten sich auf die Seite und wackelten mit ihren Flippern, es war so toll. Auch ein Baby war dabei, eines von diesem Jahr, etwas ueber 1 Meter lang, maximal 1,50.
Es hat sich echt gelohnt.
Spaeter fuhren wir an der Steilkueste entlang, und sahen Grey Seals, Kormorane, einen "loon" und ein buddhistisches Kloster. Leider keinen Baer oder Moose, wie die Elche hier genannt werden, in der Steilwand.
Wir waren nun ziemlich nass, obwohl die Overalls das meiste abgehalten hatten, und deswegen beschlossen wir doch noch einen Trail zu gehen (nass ist nass), und zwar einen Trail der fuer Elchsichtungen bekannt war.
Am Parkplatz trafen wir auf ein Ehepaar, auf die Frage ob sie Elche gesehen haetten meinten sie, ja, einen, aber im Wald und schwer zu sehen, etwa 40 Minuten von hier.
Wir gingen los. Anfangs war der Weg gut ausgebaut, gekiest. Nach einer halben Stunde sahen wir dann unseren Elch. Es war eine ausgewachsene Kuh und sie lag im Gras, ziemlich weit entfernt.
Wir beschlossen noch weiter zu gehen, vielleicht saehe man ja noch welche. Der gut ausgebaute Weg endete, es gab einige Schautafeln und der Weg fuehrte in Form eines besseren Trampelpfades weiter in den Park hinein. Wir waren nun etwa eine Stunde gelaufen und entschieden uns weiter zu gehen. Was fuer eine gute Entscheidung!
Der Weg fuehrte um eine Kurve, und Theresa, die vorausging prallte ploetzlich zurueck und meinte "Oh mein Gott". Auf dem Weg war ein Elch gelegen, welcher nun aufstand und aus der Tanne um die Ecke lugte. Es war kein ausgewachsener, hatte kein Geweih und war etwa so gropss wie unsere Fjords. Und nur 5 Meter entfernt!! Im Gebuesch hoerten wir einen zweiten Elch husten. Der Kleine liess sich toll fotografieren, kam sogar noch ein Stueck auf uns zu. Er hatte gar keine Angst oder aehnliches. Der zweite Elch ging im Wald um uns herum. Wir bemerkten dass es langsam dunkel wurde und wir hatten noch ein gutes Stueck Weg zu gehen, Elche hatten wir ja nun gesehen, also beeilten wir uns mit laufen.
Moep, Stop! Weg versperrt. Eine ausgewachsene Elchkuh stand mittan auf dem Weg, Hinterteil zu uns, Auf einer Tafel hatten wir gelesen dass wenn ein Elche auf dem Weg steht man warten soll bis er weg geht. Aber das Viech bewegte sich ja nicht. Frass nicht, stand nur da. Toll, es wurde doch dunkel....Nachdem Schreien und Huepfen nicht half (entweder sind diese Tiere strohdoof oder einfach viel zu gemuetlich...) mussten wir uns wohl durch den canadischen Wald schlagen, im Bogen um den Elch herum. Die stand weiter nur da und schaute interessiert zu was denn da aus dem Wald kam: ui, Touristen... Nachdem wir eine kurze Lachpause eingelegt hatten (haaaahahaha die Naaaase!!!) gings weiter, nun im Laufschritt, bis ich den Bullen bemerkte der im Gebuesch links am Weg stand. Ein ausgewachsener Elchbulle mit einer Mordsschaufel. Da wurde uns doch ein bisschen mulmig zumute und wir hielten nur schnell fuer ein Foto und eilten weiter. Wurde immer dunkler u nd dunkler, schon 8 Uhr, um halb 9 wird es dunkel. Und dann kommen die Coyoten...
Noch eine Elchkuh stand auf einer Wiese, die rannte jedoch vor uns davon (gut so, wir haben doch keine Zeit!), und etwa 15 Minuten bevor es dunkel war erreichten wir das Auto. Puh! Adrenalin pur.
AUf der Strasse standen dann noch 2 Elche, ein Bulle mit Geweih auf dem Mittelstreifen, liess sich nicht aus der Ruhe bringen von Hupe und blinken, und der andere verschwand im Gebuesch. Dauerte sicher 5 Minutenbis der Herr sich bequemte mal zur Seite zu gehen. Fooshooting von Elchbreite dann weiter. Entgegenkommende Autos haben wir mit Lichthupe gewarnt. So ein Elchunfall endet nicht selten toedlich. Fuer den Fahrer. Der Elch faellt nur auf die Nase... Um 9 Uhr passierten wir die Parkgrenze.
Die beiden Maedels haben wir bei ihrer Tante in Port Hood abgeliefert, wir wollten nur noch heim, es regnete in Stroemen und wir waren patsch nass.
Man faehrt durch die pure Pampa, es ist der Wahnsinn...Wer da einen Unfall hat gute Nacht...

Endlich, um 12 Uhr sind wir in unsere Auffahrt eingebogen. Geschafft. Aber Moment. Was sitzt denn da auf der Strasse?? Ein Skunk!! Aber nein, meinte Sjouke, das ist ein Porcupine!! Ich hatte im Park dauernd gesagt "jetzt fehlt nur noch mein Porcupine" aber wir hatten nicht ein einziges gesehen. Porcupines sind Neuweltstachelschweine. Seit ich am ersten Tag ein ueberfahrenes auf dem Highway gesehen hatte wollte ich eines live sehen, und da sass es!! Der Tag war perfekt!

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